Lieber Reisender, sollest du bei Alessandria vorbeikommen, empfehle ich dir, einen halben Tag mit einem Rundgang durch das Mittelalter zu verbringen.

Alessandria war eine wichtige Hauptfigur in der Zeit der Kommunen. Eine kurze Tour durch das alessandrinische Mittelalter scheint unmöglich, wenn man an das heutige Äussere der Stadt denkt, dennoch sind erst kürzlich viele Zeugnisse dieser Periode zwischen kommunaler Freiheit und den Expansionsvorhaben der Signorie entdeckt worden.

Unser Spaziergang im mittelalterlichen Alessandria beginnt in den (Kunstsälen ) (via Machiavelli, Ecke via Parma) mit einer Besichtigung des Freskenyzklus des Arthur (Ende 15. Jhd.), ausserordentliches Beispiel eines “Lanzelot-Zimmers”, einer der mit Geschichten der Abenteuer und Liebschaften dieses Helden dekorierten Säle.

Nur ein paar Hundert Meter weiter kann die ehemalige (San Francesco Kirche ) besichtigt werden, die von König Carlo Alberto in ein Militärkrankenhaus umgebaut und mit Zwischenwänden versehen wurde (via XXIV maggio). Trotz der Verunstaltungen im 19. Jhd. haben erst kürzlich Restaurationen die farbige Dekoration der Gewölbedecken ans Licht gebracht, deren herrliche ornamentale Motive auf Modelle aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts zurückzuführen und der Ausdruck einer alessandrinisch-lombardischen Kultur sind, die ihren eigenen Ausdruck komplexer Schlichtheit entwickelt hatte.

Die grösste Überraschung birgt das alte Rathaus, der sogenannte broletto (oder palatium vetus), der vor einigen Jahren während der Renovierungsarbeiten im neuen Sitz der Stiftung (Cassa di Risparmio di Alessandria ) (piazza della Libertà) in seiner ursprünglichen Form wieder an die Oberfläche gekommen ist. Im ersten Stock des Palazzo empfangen uns viele originale Dekorationen, Freskomalereien aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert, die durch ihre Frische und Schärfe überraschen. Die gesamte Anlage des Saales, in dem die Treffen der Stadtvogte, der Statthalter der Visconti und Sforza, der Spanier und Savoyer abgehalten wurden, vermitteln uns eine Idee des Glanzes dieses Ambiente und der Geschichte, die hier stattgefunden hat.

Die Reise kann mit dem Besuch zweier Kirchen abgeschlossen werden. (Die Kathedrale San Pietro ), in der, obwohl sie im neunzehnten Jahrhundert in neoklassizistischer Form wieder aufgebaut wurde, viele Kunstschätze aus dem 1803 durch Napoleon Bonaparte zerstörten mittelalterlichen Dom versteckt sind. Die Kirche (Santa Maria di Castello ), auch sie wurde im späten sechzehnten Jahrhundert umgebaut, beherbergt einen archäologischen Bereich mit den Resten zweier ganz alter Kirchen aus dem 8. und 10.-11. Jhd. (für eine Besichtigung an den Pfarrer wenden).

Roberto Livraghi